Archiv für Mai 2010
Polizeibericht
Polizeibericht Norderney:
“Insgesamt 30 Strafanzeigen hatte die Polizei Norderney am Pfingstwochenende zu bearbeiten. Genau die Hälfte davon waren Fahrraddiebstähle. Neunmal konnte die Polizei davon aber auch den oder die Täter erwischen bzw. nachträglich ermitteln. Weiterhin wurden Geldbörsen, Sonnenbrillen, Handies und Werbeflaggen entwendet entwendet. Positiv ist zu vermelden, dass es am Wochenende nur zu zwei Körperverletzungen gekommen ist, diese liefen mehr oder weniger glimpflich ab. Sachbeschädigungen wurden insgesamt bis zum Montagmittag 10 angezeigt bzw. durch die Polizei festgestellt. So wurden u. a. Gartenzäune eingetreten und Straßenlaternen beschädigt. Auch gegen Personen, die in der Öffentlichkeit uriniert haben, musste die Polizei vorgehen. Gerade nach der Ankunft am Hafen scheint dieses Problem besonders dringend zu sein. Weitere 30 andere Einsätze wie Streitigkeiten, Ruhestörungen oder Hilfeleistungen hatte die Polizei auf Norderney zu bewältigen, dazu noch zwei kleinere Unfälle. Insgesamt hatte die Polizei den Eindruck, dass in diesem Jahr weniger Besucher zu Pfingsten auf Norderney waren, als in den Vorjahren.”
Auf der Fähre gibt es eine Toilette
Suchwörter für diesen Artikel:
- Polizei Norderney (15)
Festland
Eine Kindheit auf Norderney ist schon etwas Besonderes. Solange der Aktionsradius noch klein ist, wird die gesamte Insel als geschützter, sicherer Raum empfunden. Der Horizont ist das Ende der Wahrnehmung, ebenso endet der kindliche Horizont am Weststrand, an der Meierei und am Hafen. Ein Ausflug mit dem Bus zum Leuchtturm ist eine gefühlte Weltreise.
Viele Dinge lernt man auf der Insel vielleicht deshalb etwas früher als auf dem Festland – Radfahren ist ab spätestens 4. Lebensjahr normal, in die Grundschule wird man nur bis zur zweiten Klasse begleitet, ab dann geht/fährt es allein. Zum Sportverein oder zu Freunden fährt man spätesten ab dem 8. Lebensjahr allein. Beachten muss man nur zwei Dinge: 1. nicht tiefer als bis zum Knie ins Wasser gehen und 2. wenn man ein Taxi sieht, so schnell wie es geht die Straße verlassen (das gilt auch für Zebrastreifen) – das reicht. Die Gefahren des Festlandes gibt es nicht, sollte man verlorengehen, weiß jeder, wo man hingehört.
Langsam merkt man als Heranwachsender aber, dass es da noch was anderes gibt – das Festland. Die ersten Reisen dorthin macht man mit seinen Eltern, später fährt man mit dem Sportverein oder der Schule rüber – zwar ohne Eltern, aber immer noch unter Insulanern und mit Betreuer. Ein wenig Aufregung ist immer dabei.
Irgendwann kommt der Tag, an dem man dann als Kind alleine (mit Freund – Freundin) aufs Festland fährt. Für viele ist das Ziel der ersten Reise der Pfingstmarkt in Norden. Pfingstmontag mit der 13.00 Uhr Fähre hin und um 18.00 Uhr zurück. In Zeiten ohne Handy auch ein Abenteuer für die Eltern, wenn der 10 jährige Sprößling mit gleichaltrigem Freund und 20,- DM in der Tasche (plus 10,- von Opa) ihnen von der abfahrenden Frisia zuwinkt.
Bislang sind alle Inselkinder glücklich und ohne Geld zurückgekehrt – das unsichere Gefühl auf dem Festland bleibt aber bei vielen. Das örtliche Reisebüro bietet jedes Jahr mehrere begleitete Gruppenreisen für Norderneyer an. Immer ein Erfolg und ausgebucht. Auf dem Festland sind Norderneyer halt gerne unter sich.
Suchwörter für diesen Artikel:
Bild zum Sonntag | Nordstrand
Das Norderneybild zum Sonntag:
Nordstrand Norderney
aufgenommen von Gabriele Stegt aus Münster
Canon EOS 400D am 28.12.2009 um 15.30 Uhr
Suchwörter für diesen Artikel:
- Gabi Stegt (2)
Keep Surfing
Während das White Sands Festival auf Norderney im vollen Gange ist, hat ein bemerkenswerter Dokumentarfilm seinen bundesweiten Kinostart. Keep Surfing beschreibt die exotische Szene der Münchner Flußsurfer. Für einen Insulaner sehr merkwürdig – hat was von Dünenextremkletterer. Aber eigentlich sind die Bedingungen ziemlich ähnlich – sogar die Wassertemperatur. Wir hoffen, dass der Film auch nach Norderney kommt.
Vorabtrailer zu Keep Surfing, bundesweiter Kinostart am 20.5.2010:
Suchwörter für diesen Artikel:
Kampf um Intercity Verbindung
Nach Norderney kommen viele Gäste mit dem Auto – man kann es ja auch bequem mit auf die Insel nehmen. Am bequemsten ist allerdings die Anreise per Bahn: Vom Bahnhof Norddeich Mole sind es nur wenige Schritte bis zur Fähre. Ein wenig stolz ist man als Insulaner auch, wenn man im Münchener oder Berliner Hauptbahnhof die Ansage hört:”Der Zug München (Berlin)-Norddeich Mole steht auf Gleis sieben bereit.” Das hat was von Weltstadtflair! Norddeich Mole ist eben ein Endpunkt für nationale und Internationale (Basel – Norddeich Mole) Bahnlinien.
Eine große Verlockung für jeden Norderneyer Jugendlichen waren die Schilder aus dem Zug mit Ziel Norddeich (früher gab es auf dem Schild noch eine Fähre auf der “Norderney” stand) , so manche hingen in Norderneyer Jugendzimmern. Im Ausbau und Unterhalt wurde die Strecke aber immer etwas stiefmütterlich behandelt. Die sogenannte Emslandbahn (Rheine Norddeich) war eine der letzten Strecken, die in Deutschland (West) elektrifiziert wurden und die letzte Strecke, auf der man noch Dampflokomotiven eingesetzt hat (bis 1975!).
Nun setzt die gesamte Region alles, was sie an politischer und wirtschaftlicher Macht hat in Bewegung, um auch in Zukunft nicht auf regelmäßige Intercityverbindung verzichten zu müssen. Grund für die Sorge ist, dass die Bahn bis 2036 ihren gesamten Fuhrpark auswechseln möchte, allerdings nur ein Drittel der vorhandenen Züge bestellt hat und ankündigte, zukünftig auf den Fernverkehr in der Fläche zu verzichten. Wenn der Bahnhof Norddeich nur noch von Regionalzügen angefahren würde, hätte dies katastrophale Auswirkungen auf den Tourismus in Ostfriesland und wäre sicher auch in Hinblick auf die Klimapolitik eine falsche Zeichensetzung.
Der “Lange Heinrich”
Eingebettet in die nordwestdeutsche Ebene ist das wasser- und moorreiche Emsland zu Beginn der siebziger Jahre bis zum Ende des Dampfbetriebs bei der DB im Oktober 1977 zum Mekka für Eisenbahnfreunde aus aller Welt geworden. Die letzten Dampfgiganten der Deutschen Bundesbahn fuhren mit Reisezügen bis Norddeich Mole und schwere Güterzüge waren zwischen Emden und den großen Industriezentren an Rhein und Ruhr unterwegs.
Star auf der Emslandstrecke war der “Lange Heinrich” ein 4.000-t-Erzzug, der zwischen Emden Rangierbahnhof und Rheine stets mit zwei der letzten großen Güterzuglokomotiven der Baureihen 042, 043 und 044 bespannt war. Die im Emder Außenhafen mit dem importierten Rohstoff beladenen Großraum-Selbstentladewagen waren von Dampf- und Dieselloks in den Rangierbahnhof geschleppt und dort zu langen Ganzzügen mit 2.000 und 4.000 t zusammengestellt worden. Für die 2.000-t-Züge reichte die Kraftentfaltung einer der leistungsstarken Lokomotiven gerade noch aus, um die Last über die leicht ansteigende Ausfahrt auf die danach meist ebene 140 km lange Strecke nach Rheine zu bringen. Die doppelt so schweren Züge des “Langen Heinrich” verlangten jedoch immer den Einsatz von zwei Maschinen, die sich nach furiosem Start und oft mit schleudernden Rädern auf den Weg machten.
Bespannt waren die Züge zum überwiegenden Teil mit den ölgefeuerten Maschinen der Baureihe 043 aus den Betriebswerken Emden und Rheine. Oft kamen auch die Kombinationen von Lokomotiven der Reihen 042 und 043 zum Einsatz, gelegentlich auch zwei 042er und selten halfen auch noch letzte kohlegefeuerte 044er zusammen mit den beiden andern Baureihen aus, die bei einem Umbau eine Ölhauptfeuerung erhalten und 1967 ihren Einzug im Bw Rheine gehalten hatten. Entlang der Strecke gab es viele Standorte, um eindrucksvolle Zugaufnahmen zu machen.
Sehr beliebt bei kundigen Fotografen war eine Brücke bei Aschendorf, südlich von Papenburg. In einem nach rechts verlaufenden Gleisbogen ließen sich die Züge fast in ihrer ganzen Länge ablichten. Noch idealer und wohl der beste Platz im Emsland war jedoch südlich von Lathen. Die in einen Einschnitt zwischen zwei Sanddünen eingebettete nach links abbiegende Strecke bot ein freies Schussfeld auf einen kompletten 4.000-t-Zug bei besten Lichtverhältnissen. Voraussetzung war allerdings gutes Wetter, genaue Kenntnis des Fahrplans und die Präsenz am frühen Morgen bei noch tiefstehender Sonne. Lange bevor der Zug in den Einschnitt einfuhr, kündigten eine ferne Rauchsäule und die unüberhörbaren Auspuffschläge sein Kommen an. Das Warten wurde dann mit dem unvergesslichen Anblick der gesamten Garnitur von der Lokspitze bis zum Ende der aus fünfzig Fahrzeugen bestehenden Wagenschlange belohnt.
(nach Aufzeichnungen von Horst J. Obermayer).


