Damals
Frisia Kalender 2012
Norderney – Juist Kalender 2012

Einen Kalender für 2012 mit historischen Aufnahmen der Reederei Norden Frisia ist ab sofort bei der Geschäftsstelle bzw. am Hafen von Norderney, Norddeich und Juist erhältlich. Für 4,90 € erhält man eine schöne Erinnerung an die See mit den jeweils aktuellen Hochwasserzeiten. Die SW Fotos dokumentieren eindrucksvoll die An- Abreise zu den Nordseebädern Juist und Norderney und geben eine Ahnung von der Entwicklung und dem erreichten Standard des Inselversorgers.
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Wie Bismarck Norderney erlebte
Otto von Bismarck – Norderney – Sommer 1844
Norderney erlebt seine absolute Blütezeit im ausgehenden 19. Jahrhundert. Der Beginn des ersten Weltkrieges im Sommer 1914 wirkte wie eine Zäsur – nie wieder erlangte die Insel gleiche Bedeutung. Der Beginn des Seebades ersten Ranges verlief allerdings eher schleppend.

Otto von Bismarck verbrachte 1844 als 29jähriger Erholungssuchender seinen Sommerurlaub auf Norderney. Norderney war Sommerresidenz der Welfen – eine kleine aber sehr feine Insel. Als Besucher kamen nicht nur Adlige aus dem Königshaus Hannover, sondern auch andere deutsche Adelsfamilien, Diplomaten, Politiker aus ganz Europa. Die Insel erlebte Bismarck vor ca. 170 Jahren ein wenig anders als heutige Urlauber:
An- und Abreise:
Bismarck hat sich in Nienburg an der Weser eingeschifft, die Schiffsreise dauerte 2 Tage. Das Dampfschiff ist erst 60 Jahre vorher erfunden worden und führte zur Sicherheit noch Segel mit sich. Die Rückreise ging mit dem Dampfschiff über Helgoland nach Hamburg. (Heute: 45 Minuten ab Norddeich, Ruhrgebiet – Norderney 3 Stunden)
Verpflegung:
Bismarck nahm am täglichen table d’hote teil. Im Conversationshaus wurde jeden Tag zwischen 13.00 und 17.00 Uhr ein umfangreiches Essen serviert. An den ungraden Tagen gab es Schellfisch, Bohnen, Hammel und als Nachtisch süßen Gries mit Fruchtsauce, an den geraden Tagen Seezunge, Erbsen, Kalb und als Nachtisch Pudding mit Rosinen. In den Sommermonaten nahmen täglich bis zu 300 Personen am Mittagstisch teil. (Heute: Im Sommer halten sich ca. 25ooo Urlauber auf der Insel auf)
Reisedauer und Unterkunft:
Bismarck blieb 5 Wochen und wohnte in der Marienstraße (Nummer 1a Gedenkplakete ist am Haus angebracht). (Durchschnittliche Reisedauer 2005: 7 Tage)
Unterhaltung:
Bismarck badete in der Nordsee (mit Badekarren und Badediener) zwischen 6.00 morgens und 6.00 Uhr abends bei Hochwasser. Er löste hierfür eine Badekarte. Vor und nach dem Bad in der Nordsee ging er spazieren, spielte Whist (Vorform von Brigde), kegelte, schoss Kanninchen oder Delphine und aß Austern. Abends ging er 1 bis zwei Stunden im Conversationshaus tanzen. (Badekarren gibt es nur noch als Umkleiden und zum Heiraten)
Wetter:
Durchwachsen – es konnte aber auch richtig schlecht sein: “… kalte kahle Häuserchen, Regen und wieder Regen, jeder hockt in seinem Bau ohne irgendeinen Vereinigungspunkt, und mit der Ausnahme der viertel Stunde, die ich im Wasser zubringe, finde ich es melancholisch, daß ich nicht einmal den Entschluß zum Arbeiten fassen kann und am liebsten vom Morgen bis zum Abend im Bett liegen möchte und Romane lesen.” (30.08.1853 ein späterer Besuch Bismarcks) (Wetter ist weiterhin durchwachsen, Funktionsbekleidung und “Indoor”-Unterhaltung – Badehaus, Kino etc. haben sich aber stark verbessert)
Zahlen – Fakten:
185 Gebäude. 894 Einwohner, 1.871 Kurgäste, 22.784 kalte und warme Seebäder. (2005: ca. 2000 Gebäude, 6000 Einwohner, 320.000 Kurgäste)
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Sturmflutalarmplan
Norderney – Alarmplan
Eine nationale Katastrophe in Australien, Schneeschmelze in Deutschland mit überfluteten Innenstädten – Rettungskräfte im Dauereinsatz. Eine Insel ist auch in dieser Hinsicht ein wenig anders, im Falle einer Überflutung ist Hilfe von aussen nicht zu erwarten.

Was passiert eigentlich auf Norderney bei einer Sturmflut? Es tritt der Sturmflutalarmplan in Kraft. Der Plan sieht zwei Fälle vor: 1. den Vor-Alarm und 2. den Alarm. Bei einem Vor-Alarm werden die Mitarbeiter der technischen Dienste alarmiert und die Tankstelle davon unterrichtet, dass die Abgabe von Treibstoff an Privatpersonen während des Katastrophenfalles unzulässig ist. Der eigentliche Alarm sieht 4 Stufen vor:
Stufe 1: Alarmierung aller Organisationen und einsatzfähigen Personen der Insel
Über Funk (Radio SWS) und Lautsprecher werden alle Stadtbediensteten und Mitglieder (Sofortbereitschaft) von DRK, Feuerwehr aufgerufen die Bereitschaftsräume aufzusuchen. Auch alle technisch ausgebildeten Personen und sonstige Einsatzfähige haben sich beim Feuerwehrhaus mit Spaten und Schaufeln sowie wetterfester Kleidung einzufinden.
Stufe 2: Sammelstelle für Evakuierte
Die Sammelstellen für Evakuierte werden geöffnet, dies sind die Grundschule und das Schulzentrum an der Mühle. Die Helfer des DRK und die Lehrer übernehmen die Betreuung der für die Evakuierung vorgesehenen Personen. Das gesamte Lehrpersonal hat sich an der jeweiligen Schule einzufinden.
Stufe 3: Bereitstellung weiterer Fahrzeuge
Folgende Fahrzeuge werden in dieser Reihenfolge angefordert (müssen für den Einsatz zur Verfügung gestellt werden): 1. Taxen, 2. Mietwagen, 3. Fahrzeuge von Handels- und Handwerksbetrieben und 4. Privatfahrzeuge
Stufe 4: Evakuierung
Die Benachrichtigung der zu evakuierenden Gebäude- bzw. Ortsteile erfolgt durch Lautsprecher bzw. Radio. Die Evakuierung selbst wird mit Bussen durchgeführt. Arbeitsfähige Männer im Alter von 18-60 Jahren und arbeitsfähige Frauen im Alter von 18 – 40 Jahren sind von der Evakuierung ausgeschlossen.
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Fregatte Emden
Die südlich von Norderney gelegene kreisfreie Stadt Emden bangt um “ihre” Fregatte.
Auf der kürzlich stattgefundenen Wirtschaftsmesse, der “Emder Börse”, wurde vom Oberbürgermeister Brinkmann nur ein Mann ausdrücklich begrüßt: Jörg-Michael Horn, der Kommandant der Fregatte Emden. Der Bürgermeister macht sich Sorgen, daß die Fregatte ausgemustert wird und dann der traditionsreiche Name “Emden” verschwindet. Die Sorgen rühren daher, daß zwar neue Fregatten in Dienst gestellt werden, diese aber immer die Namen von Bundesländern erhalten (und zwei Bundesländer noch nicht bedacht wurden). Verstehen kann man die Sorgen nur, wenn man die Geschichte der Emden kennt. Das erste Schiff mit dem Namen Emden war der leichte Kreuzer SMS Emden, der 1909 in Dienst gestellt wurde, im November wurde er nach abenteuerlicher Kaperfahrt bei den Cocos Inseln versenkt. Die Geschichte rund um die Kaperfahrten des im indischen Ozean operierenden Kreuzers war so populär, daß die Überlebenden das Recht erhielten, den vererbaren Namenszusatz “Emden” zu tragen – die Emdenfamilie trifft sich bis heute regelmäßig. Die dramatische Flucht des Landungskommando zurück nach Deutschland durch die Wüste bis zum Endpunkt der Bagdadbahn und von dort in die Heimat ist erst kürzlich bei ARTE gezeigt worden (Filmausschnitt – die Karawane der Matrosen). Das mittlerweile fünfte Schiff mit dem Namen Emden war beim Anti-Piraten-Einsatz vor Somalia im Einsatz und in liegt zur Zeit in der Werft, wo sie überholt wird. Der Kommandant Horn stellte in Aussicht, die Patenstadt beim nächtsen Matjesfest zu besuchen.

Akt der Namensgebung:
„1920/21 verfügte die preußische Regierung in Übereinstimmung mit dem Reichswehrminister, den noch lebenden preußischen ehemaligen Besatzungsangehörigen des Kleinen Kreuzers Emden und deren direkten Nachkommen auf bis 1931 gestellten Antrag zu genehmigen, den Schiffsnamen als Zusatz zum Familiennamen zu führen. Weitere deutsche Landesregierungen schlossen sich diesem Vorgehen an. Das Namensänderungsverfahren erfolgte nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Nachweisbar ist diese auch durch einen Erlaß des Preußischen Ministers des Innern vom 18.11.1933.“
Link zur Homepage der “Emden-Familie”
Link zur Bordgemeinschaft der Fregatte Emden
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Amerika
Auswanderung nach Norderney oder Amerika
Im 19. Jahrhundert hieß es in Ostfriesland: “Auf die Inseln oder nach Amerika!” Grund für die Auswanderung waren die schlechten Zukunftsaussichten im Rheiderland, Krummhörn und Ostfriesland. Die Auswanderungen begannen allerdings schon viel früher. Traditionell sind die Beziehungen zwische Ost- und Westfriesland sehr eng. Durch diese engen Beziehungen kamen bereits recht früh Ostfriesen nach Nieuw Niederland, der amerikanischen Ostküste.
Kam man Mitte des 17. Jahrhunderts nach Nieuw Amsterdam (heute New York) und wollte nach Long Island, so fuhr man mit Egbert van Borssum (Borsum bei Emden) über den East River, er betrieb auch eine Gaststätte – gehörte sozusagen zu den ersten Geschäftsleuten in der Neuen Welt. Als die Engländer die holländischen Siedlungen 1664 übernahmen, hörte der Zuzug der Ostfriesen zunächst auf. Die große Welle der Auswanderung begann Mitte des 19. Jahrhunderts und ging über Bremerhaven, in Emden verließen nur vereinzelt Auswandererschiffe den Hafen mit Ziel New York.
Insgesamt sind so viele Ostfriesen ausgewandert, dass man mit Recht behaupten kann, dass jede zweite ostfriesische Familie verwandschaftliche Beziehung in die USA hat. 1884 wurden in Breda (Iowa) zum ersten Mal die Ostfriesischen Nachrichten herausgebracht – die Zeitung existierte bis 1971 und war wichtigstes Bindeglied zwischen Amerika und Ostfriesland und sichtbares Zeichen der Ostfriesischen Kultur in den Vereinigten Staaten. Da Mitte des 19. Jahrhunderts der wirtschaftliche Aufschwung Norderneys begann, spielte die Auswanderung für die Insulaner keine Rolle, vielmehr wurden Arbeitskräfte vom benachbarten Festland angeworben. Norderney ist bis heute ein Ziel für Arbeitsemigranten geblieben – ohne Greencard Lotterie.
Artikel von Hartmut Dirks, Welt – Online:
Der Sozialwissenschaftler Wolfgang Grams vom “Institut Routes to the Roots” in Oldenburg bestätigt diesen Trend: “Im 19. Jahrhundert wanderten rund 150 000 Ostfriesen in die USA aus. Sie siedelten sich hauptsächlich in Iowa, Illinois, Wisconsin und Nebraska an. Schätzungsweise drei bis fünf Millionen Amerikaner haben Wurzeln in Ostfriesland. Rund 50 000 sprechen noch heute Friesisch oder Platt.” Grams hat sich lange Zeit an einer Forschungsstelle der Universität Oldenburg wissenschaftlich mit dem Thema der Ostfriesen-Emigration beschäftigt. Seit Mitte der neunziger Jahre beobachtet er einen starken Zuwachs der Internet-Kontakte: “Immer mehr Amerikaner fragen sich in einer großen, multi-ethnischen Nation, woher sie kommen, was für Menschen in dem Ursprungsland der Familie leben und welche Sprache dort gesprochen wird.”
In Cedar Rapids, einer Stadt mit rund 140 000 Einwohnern im US- Bundesstaat Iowa wohnen Sharon und Dave Oltmanns. Schon der Nachname verrät die ostfriesische Abstammung. Sharon Oltmanns: “Nicht nur die Familie meines Mannes emigrierte aus Ostfriesland. Auch meine Vorfahren, die Tobiassen, stammen von dort. Das Telefonbuch in Cedar Rapids ist voll mit ostfriesischen Nachnamen. Fast alle können sich an ihre Vorfahren erinnern, und viele suchen nach den Orten, aus denen die Einwanderer stammen.”
Tee und andere ostfriesische “Kulturgüter” können die Oltmanns und andere Bürger in ihrer Stadt kaufen. Zwei Supermärkte versorgen sie dort zusätzlich mit deutschen Produkten. Im Jahr 2004 wollen sich die Oltmanns einen Traum erfüllen. Die beiden Nachfahren von Pionieren Amerikas wollen erstmals in das Land ihrer Ahnen reisen.
Links:
Projektbericht einer Klasse 10 aus Großefehn
Bericht über die Marx Brother – (Vorfahren stammen aus Dornum)

