Damals
Amerika
Auswanderung nach Norderney oder Amerika
Im 19. Jahrhundert hieß es in Ostfriesland: “Auf die Inseln oder nach Amerika!” Grund für die Auswanderung waren die schlechten Zukunftsaussichten im Rheiderland, Krummhörn und Ostfriesland. Die Auswanderungen begannen allerdings schon viel früher. Traditionell sind die Beziehungen zwische Ost- und Westfriesland sehr eng. Durch diese engen Beziehungen kamen bereits recht früh Ostfriesen nach Nieuw Niederland, der amerikanischen Ostküste.
Kam man Mitte des 17. Jahrhunderts nach Nieuw Amsterdam (heute New York) und wollte nach Long Island, so fuhr man mit Egbert van Borssum (Borsum bei Emden) über den East River, er betrieb auch eine Gaststätte – gehörte sozusagen zu den ersten Geschäftsleuten in der Neuen Welt. Als die Engländer die holländischen Siedlungen 1664 übernahmen, hörte der Zuzug der Ostfriesen zunächst auf. Die große Welle der Auswanderung begann Mitte des 19. Jahrhunderts und ging über Bremerhaven, in Emden verließen nur vereinzelt Auswandererschiffe den Hafen mit Ziel New York.
Insgesamt sind so viele Ostfriesen ausgewandert, dass man mit Recht behaupten kann, dass jede zweite ostfriesische Familie verwandschaftliche Beziehung in die USA hat. 1884 wurden in Breda (Iowa) zum ersten Mal die Ostfriesischen Nachrichten herausgebracht – die Zeitung existierte bis 1971 und war wichtigstes Bindeglied zwischen Amerika und Ostfriesland und sichtbares Zeichen der Ostfriesischen Kultur in den Vereinigten Staaten. Da Mitte des 19. Jahrhunderts der wirtschaftliche Aufschwung Norderneys begann, spielte die Auswanderung für die Insulaner keine Rolle, vielmehr wurden Arbeitskräfte vom benachbarten Festland angeworben. Norderney ist bis heute ein Ziel für Arbeitsemigranten geblieben – ohne Greencard Lotterie.
Artikel von Hartmut Dirks, Welt – Online:
Der Sozialwissenschaftler Wolfgang Grams vom “Institut Routes to the Roots” in Oldenburg bestätigt diesen Trend: “Im 19. Jahrhundert wanderten rund 150 000 Ostfriesen in die USA aus. Sie siedelten sich hauptsächlich in Iowa, Illinois, Wisconsin und Nebraska an. Schätzungsweise drei bis fünf Millionen Amerikaner haben Wurzeln in Ostfriesland. Rund 50 000 sprechen noch heute Friesisch oder Platt.” Grams hat sich lange Zeit an einer Forschungsstelle der Universität Oldenburg wissenschaftlich mit dem Thema der Ostfriesen-Emigration beschäftigt. Seit Mitte der neunziger Jahre beobachtet er einen starken Zuwachs der Internet-Kontakte: “Immer mehr Amerikaner fragen sich in einer großen, multi-ethnischen Nation, woher sie kommen, was für Menschen in dem Ursprungsland der Familie leben und welche Sprache dort gesprochen wird.”
In Cedar Rapids, einer Stadt mit rund 140 000 Einwohnern im US- Bundesstaat Iowa wohnen Sharon und Dave Oltmanns. Schon der Nachname verrät die ostfriesische Abstammung. Sharon Oltmanns: “Nicht nur die Familie meines Mannes emigrierte aus Ostfriesland. Auch meine Vorfahren, die Tobiassen, stammen von dort. Das Telefonbuch in Cedar Rapids ist voll mit ostfriesischen Nachnamen. Fast alle können sich an ihre Vorfahren erinnern, und viele suchen nach den Orten, aus denen die Einwanderer stammen.”
Tee und andere ostfriesische “Kulturgüter” können die Oltmanns und andere Bürger in ihrer Stadt kaufen. Zwei Supermärkte versorgen sie dort zusätzlich mit deutschen Produkten. Im Jahr 2004 wollen sich die Oltmanns einen Traum erfüllen. Die beiden Nachfahren von Pionieren Amerikas wollen erstmals in das Land ihrer Ahnen reisen.
Links:
Projektbericht einer Klasse 10 aus Großefehn
Bericht über die Marx Brother – (Vorfahren stammen aus Dornum)
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Theelacht – Norden
Gegenüber von Norderney:
Amerika wurde vor knapp 600 Jahren entdeckt. Zu dieser Zeit konnte eine ostfriesische genossenschaftliche Vereinigung in Norden schon auf eine 500jährige Geschichte zurückblicken – damit ist sie die älteste jetzt noch existierende genossenschaftliche Vereinigung der Welt. Die “Theelacht” (Theel-acht = Anteilsaufsicht) besteht seit fast 1100 Jahren. Der genaue Urprung und das genaue Alter liegen im Dunkel der Geschichte. Überliefert von Generation zu Generation der “Theelbauern” ist, dass die Gründung der Theelacht mit der Normannenschlacht im Herbst 884 zusammenhängt. Bei der Schlacht befreiten sich die Ostfriesen von der Herrschaft der Normannen (Dänen, Schweden, Norweger). Zum Gedächtnis und als Belohnung wurde den Norder Bauern ein erobertes Gebiet nahe Norden (südlich Norderney – gegenüber dem Leuchtturm) zur gemeinschaftlichen Nutzung übergeben. Seit Jahrhunderten treffen sich nun die Genossenschaftsmitglieder zweimal im Jahr, um über die Verteilung der jährlichen Pacht zu beraten. Die Theelacht zu Norden hat seit Jahrhunderten ihren Sitz im Alten Rathaus Norden. Wenn man die alte Bundesstrasse fährt, kommt man automatisch am Alten Rathaus vorbei. Im Alten Rathaus ist auch das Teemuseum ansässig, ein weiterer Grund für einen kurzen Stopp.
Links:
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Fischerhaus und Hotelboom
Auf Norderney gibt es wenige Ecken, in denen man die alte Architektur vor dem Bauboom von 1860 noch sehen kann. Die ostfriesischen Inseln waren traditionell “Herrenland”, es gab keine Möglichkeit Grundstücke zu erwerben, nur Erbpacht war möglich. Erst mit der Inbesitznahme durch Preußen 1866 wurden preußische Gesetze und Verordnungen übernommen. Jetzt erhielten die Einwohner der Insel ihre Grundstücke als Eigentum und die Niederlassungsfreiheit für Handel, Handwerk und Gewerbe wurde eingeführt. Der preußische Staat begann, auch ungenutztes Dünengelände für die Bebauung freizugeben. Dies war der Startschuß für eine bis jetzt anhaltende Expansion und einen riesigen Bauboom. 1866 gab es 214 Häuser, 1885 bereits 510 Häuser und 1910 waren es 719. Die Expansion Norderneys war ein Prestigeobjekt für den preußischen Staat. Mit der “Königlichen Seebadeanstalt” besaß Preussen ein Nordseebad, welches sich mit den anderen Modebädern der Zeit – Baden Baden, Karlsbad, Biarritz, Brighton und Schevenningen – messen konnte, diese in vielen Dingen sogar übertraf.
Die Blütezeit Norderneys endete mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges. Mitten im Sommer wurde das Bad geschlossen, die Insel evakuiert und systematisch zu einer Seefestung ausgebaut. Die gesellschaftliche und politische Bedeutung erlangte Norderney nie wieder, die Gästegruppen und Anforderungen an ein Nordseebad haben sich nach dem II. Weltkrieg stark geändert. Nur der Bauboom hält an.
- Hotels an der Kaiserstraße um 1900 -





