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Helau
Viele unserer Gäste sind ja immer sehr erstaunt uns am Rosenmontag telefonisch zu erreichen. Wir stellen uns vor: sie selbst werden während Ihres Anrufs von allen Seiten mit stimmungsvoller Musik beschallt und haben sich den Weg zum Telefon durch ein Meer von verkleideten Narren und Narralesen frei gekämpft. Gestern wurde mal auf Norderney durch verkleidete und singende Menschen die Arbeitswelt lahmgelegt. Lautes Singen “Martinus Luther war ein Christ…” und gebrüllte Süßigkeiten-Forderungen der Kindermassen führten dazu, dass unsere telefonische Auskünfte nicht mehr zu verstehen waren. Hier ist das Bild dazu:

Martinsgans
Während sich das heutige Martinisingen auf Norderney auf Martin Luther bezieht ist das auch auf Norderney beliebte Martinsgans-Essen auf den Heiligen Martin von Tours zurückzuführen.
Diesen Brauch haben inzwischen viele Norderneyer für sich entdeckt, mit der Familie oder Freunden wird ein Restaurant aufgesucht um dort eine geselligen Abend zu verbringen. Alljährlich wirbt das Bootshaus mit seiner Martinigans – für viele Norderneyer ist der Besuch dort für November schon lange vorher fest eingeplant. Alternativ ist in diesem Jahr auch eine schnelle Ente möglich: Bei Deckenas Schnellrestaurant gibt es die “Halbe Martini-Ente aus dem Rohr mit Apfelrotkohl und Kartoffelknödel” für 9,80 Euro.
Deckenas Schnellrestaurant, Strandstrasse 12, Tel. 04932-840901
Bootshaus, Hansendamm 1 (am Seglerhafen), Tel. 04932-2097
Fleu herut!
Anders als es bunte Bilder außerhalb Ostfrieslands suggerieren, handelt es sich beim Bosseln nicht um eine feucht-fröhliches Freizeitvergnügen. Nach der Norderneyer Verkehrsbekanntmachung ist sogar “während der Durchführung der Veranstaltung auf der Strasse (…) der Genuss alkoholischer Getränke untersagt”. Es käme allerdings auch niemand der aktiven Bossler auf die Idee – die Bosselwettkämpfe werden äußerst professionell mit viel Enthusiasmus betrieben. Wie viel Ehrgeiz hinter jedem Wurf steckt, hört man am lauten Schreien, auf unbedarfte Auswärtige wirkt die Brüllerei zunächst oft erschreckend.Suchwörter für diesen Artikel:
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Beizjagd mit Habicht
Auf Norderney wird im Herbst und im Frühjahr mit Vögeln gejagt.
Jäger sind schon recht besonders, ihr Hobby ist auch mehr eine Berufung. Man muß Freude an der Natur haben, sich viel Wissen aneignen, viel Zeit und Geld opfern um dieser Berufung nachzugehen. Neben den “normalen” Jägern gibt es auch noch eine “Sonderform” von Jägern: die Falkner.
Man sieht jetzt wieder Männer mit Hut, langem Mantel und Lederhandschuh am letzten Parkplatz auf die Jagd gehen. Auf Norderney werden hauptsächlich die zur Plage gewordenen Kaninchen bejagt. Die Jagd mit Greifvögeln (Beizjagd oder Falknerei) ist eine sehr alte Form der Jagd, die sich bereits 3.500 v. Chr. nachweisen läßt. In jüngster Zeit hat die Falknerei wieder große Bedeutung erlangt – auf großen Flughäfen werden die Rollfelder durch trainierte Wanderfalken von Vogelschwärmen freigehalten. Auf Norderney läßt sich die Jagd auf Kaninchen mit Vögeln am besten rund um den Ostheller bobachten
Jagd mit Habicht:
Der Habicht ist in Deutschland einer der ganz klassischen Beizvögel. Zum einen ist der Vogel nicht nur recht kräftig, sondern auch extrem mutig. Er zeichnet sich vor allem durch seinen schnellen und wendigen Verfolgungsflug aus.
Der Flug des Habichts hat zum einen eine extrem große Startgeschwindigkeit. Durch diese Beschleunigung ist der Habicht seiner Beute meist schon nach relativ kurzem Flug sehr nahe. Desweiteren zeichnet sich der Flugstil durch die Wendigkeit des Vogels aus. Der Habicht ist in der Lage seine Beute wenig zu verfolgen, auch wenn es mal durch Stangenholz geht. Habichte sind extrem gute Flieger.
Diese Eigenschaften machen den Habicht zum perfekten Beizvogel für Kaninchen und Hasen. Sie sind in der Lage die flüchtende Beute schnell einzuholen und sicher zu verfolgen. Die Kraft des Habichts verhilft dann auch zum sicheren Schlagen und Halten der Beute.
Für die Beizjagd auf Hasen empfehlen sich allerdings aufgrund der größeren Kraft ausschließlich weibliche Vögel. Auf Kaninchen darfs auch ein kräftiger Terzel sein.
Der Habichtsterzel zeichnet sich aber auch noch für eine andere Jagd aus – die Beizjagd auf Krähen. Durch sein geringeres Gewicht ist der Habichtsterzel noch schneller auf Geschwindigkeit und auch noch ein Stück wendiger als das größere Weibchen. Habichtsterzel können ausgezeichnete Krähenjäger werden und bieten dazu noch schöne Jagdflüge.
Als Beizvogel ist der Habicht sicher ein vielfältig einsetzbarer Vogel, der nicht umsonst neben den Falken bereits seit dem Mittelalter in unseren Breitengraden zur Jagd hergenommen wird. Der Habicht gehört wegen seiner Jagd- und Flugart zu den Vögeln des “niederen Fluges”.
- Die Beizjagd mit Habicht, die Jagd – Quelle kommt
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Zigarrenkiste nach Baltrum
Inselgeschichten – Norderney – Baltrum – Langeoog – Wangerooge
Jede Insel hat seine “Geschichte”. Auf Baltrum ist diese besonders tragisch.
Der 21jährige Baltrumer Tjark Ulrich Honke Evers war Schüler in der Seefahrtsschule in Timmel, er wollte Kapitän werden. Kurz vor Weihnachten 1866 bestieg er ein Ruderboot, das ihn und einen Kameraden nach Hause bringen sollte. Der Mitschüler wollte nach Langeoog. Tjark Evers wurde auf halbem Weg abgesetzt. Statt auf Baltrum irrtümlicherweise auf einer Sandbank. Dem jungen Insulaner und angehenden Nautiker war nach kurzer Zeit klar, daß er keine Chance hatte. Er schrieb einen letzten Brief an seine Eltern und verpackte ihn in seine Zigarrenkiste. Die Kiste trieb auf Wangerooge an, Tjark Evers wurde nie gefunden. Er war gerade 21 Jahre alt als er umkam.
1866 im Nebel über dem Wattenmeer zwischen Langeoog und Baltrum. Im Baltrumer Kirchenbuch heißt es:
„Der Verunglückte besuchte die Navigationsschule in Timmel. In den Weihnachtsferien wollte er seine Eltern besuchen und kam am 22. Dezember in Westeraccumersiel an. Am Morgen des anderen Tages (sonntags) bestieg er mit einem Langeooger ein Boot, das sie jeden an den heimatlichen Strand setzen sollte. Zwischen sechs einhalb und sieben Uhr morgens fuhren sie ab. Ein ziemlich dicker Nebel verhinderte aber den Blick in die Ferne. Die Bootsleute ruderten zuerst nach dem Langeooger Strand, wo sie den Mann von Langeoog aussetzten. Von da wollten sie zum Baltrumer Strande zurudern. In der festen Meinung, diesen Strand erreicht zu haben, legte man an und der Verunglückte stieg aus, und die Bootsleute fuhren wieder ab. Es war aber nicht der heimatliche Strand, den der Verunglückte betreten hatte, sondern eine Sandbank auf der er in der steigenden Flut seinen Tod gefunden. Der Unglücksfall wurde am 5. Januar 1867 bekannt. Am 3. Januar ist an der Insel Wangerooge in einer Cigarrenkiste, die mit einem Taschentuch umwunden war, das Taschenbuch des Verunglückten angetrieben worden…“
Der Wortlaut des bis heute erhalten gebliebenen Textes (Ausschnitt):
„Liebe Eltern, Gebrüder und Schwestern, ich stehe hier auf einer Plat und muß ertrinken, ich bekomme euch nicht wieder zu sehen und ihr mich nicht. Gott erbarme sich über mich und tröste euch. Ich stecke dieses Buch in eine Sigarren Kiste. Gott gebe, daß Ihr die Zeilen von meiner Hand erhaltet. Ich grüße euch zum letzten Mal. Gott vergebe mir meine Sünden und nehme mich zu sich in sein Himmelreich. Amen.
An Schiffer H. E. Evers Baltrum
T U H Evers
Ich bin T. Evers von Baltrum.
Der Finder wird gebeten, dieses Buch meinen Eltern zuzuschicken an Cpt. H. E. Evers Insel Baltrum“
(Baltrumer Kirchenbuch Jg. 1866 und Gerhard Canzler, Aurich (1986): Baltrum, zitiert in Heidi Gansohr-Meinel, Jever (2001): Baltrum – Eine kleine Insel und ihre Bewohner).

